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-Die Taufschale der [[orte:​nikolaikirche|Nikolaikirche]] ist eine kunstgeschichtliche Besonderheit und das einzig erhaltene Beispiel peruanischer Goldschmiedekunst der frühen Kolonialzeit. Es handelt sich um eine innen vergoldete Silberschale mit einem Durchmesser von 54 cm, die um 1586/​1600 ​in einer Inka-Werkstatt in Peru hergestellt wurde. ​In der Kolonialzeit gelangt das ursprünglich als Handwaschbecken genutzte Werk als Zahlungsmittel ​in die Hände eines kongolesischen SklavenhändlersDieser wiederum schenkt ​die Schale ​dem Gouverneur von Niederländisch-Brasilien, Johann Moritz von Nassau-Siegen, ​zusammen mit 200 Sklaven ​für seine Verdienste ​im transatlantischen Sklavenhandel.+Die Taufschale der [[orte:​nikolaikirche|Nikolaikirche]] ist eine kunstgeschichtliche Besonderheit und das einzig erhaltene Beispiel peruanischer Goldschmiedekunst der frühen Kolonialzeit. Es handelt sich um eine innen vergoldete Silberschale mit einem Durchmesser von 54 cm, die gegen Ende des 16. Jahrhunderts ​in einer Inka-Werkstatt in Potosí (Peruhergestellt wurde. ​Stilistisch zeigt die Schale indianische Motive, lässt aber auch europäische Einflüsse ​der spanischen Herrschaft ​in Peru erkennenAls Zahlungsmittel gelangte ​die Schale ​nach Afrikavermutlich über die peruanische Hochebene Altiplano und Brasilien. ​ Sie diente sehr wahrscheinlich der Bezahlung von Sklaven für die spanischen Kolonien in Südamerika. Der kongolesische Herrscher Dom Garcia II. Alfonso schenkte die Schale zusammen mit 200 Sklaven ​Johann Moritz von Nassau-Siegen, ​dem Gouverneur von Niederländisch-Brasilien. Es handelte sich um ein diplomatisches Geschenk als Dank für die Vermittlung in einem Konflikt und die Anbahnung guter Beziehungen ​im transatlantischen Sklavenhandel. ​Der niederländische Gelehrte Caspar Barlaeus, der 1647 ein Werk über die Regierungszeit des Johann Moritz in Brasilien verfasste, schrieb über die Gastgeschenke der afrikanischen Delegation: ​
  
-Sie zeigt stilistisch indianische Motivelässt aber auch europäische Einflüsse der spanischen Herrschaft in Peru erkennen. Während seiner Zeit als Landesherr von Siegen ​schenkt ​Johann Moritz 1658 die Schale ​schließlich ​der reformierten Nikolai-Kirchengemeinde und bestimmt ​ihre Verwendung als Taufbecken. Deshalb ​fügt ein Frankfurter Goldschmied auf Bestellung des Fürsten ​den Fuß aus getriebenem Silber und die in der Mitte des Beckens gelegene Mulde mit dem Wappen des Stifters ein. Unter dem Fuß sind in lateinischer Sprache außerdem der Widmungszweck und ein historischer Abriss nachzulesen. ​Wie vor über 350 Jahren dient die Schale ​bis heute unverändert ​der Taufe. ​+„Viel Mohrische Schlaven zum Geschenk vor die West Indische Societätund ins besonder 200 derselben, sambt einer Güldenen Kette, und einem Topf, oder Pott, von klarem Golde, zur verehrung vor den Fürsten selbst mit ubergeschicket.“ 
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 +Während seiner Zeit als Landesherr von Siegen ​schenkte ​Johann Moritz 1658 die Schale der reformierten Nikolai-Kirchengemeinde und legte ihre Verwendung als Taufbecken ​fest. Deshalb ​fügte ​ein Frankfurter Goldschmied auf Bestellung des Fürsten ​einen Fuß aus getriebenem Silber und die in der Mitte des Beckens gelegene Mulde mit dem Wappen des Stifters ein. Unter dem Fuß sind in lateinischer Sprache außerdem der Widmungszweck und ein historischer Abriss nachzulesen. ​Die Schale ​wird von der Kirchengemeinde auch heute noch zur Taufe eingesetzt.  
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 +===== Erinnerungskulturelle Debatten ===== 
 +Zum 300. Jubiläum der Taufschalenstiftung im Jahr 1958 dichtete der Siegener Alfred Lück in einer Jubiläumspublikation:​  
 +„Dreihundert Jahre Taufschale: Verklungen sind die Schreie gepeinigter Sklaven, zu deren Bezahlung dieses Kunstwerk einst gedient hat. Geblieben ist die heilige Handlung ​der Taufe, das Angebot von Gottes Gnaden in Jesus Christus. Daß sie verkündet werde, war des alten Fürsten und ist der jungen Gemeinde Anliegen.“ ​ (Alfred Lück: Siegerland im Bild: 300 Jahre Kaiserwahl – 300 Jahre Taufschale – 300 Jahre Krönchen. Ein Sonderdruck des Verkehrsvereins Siegen für Freunde und Besucher der Stadt Siegen, Jg. 1, H. 3/4, 1958, S. 47.)
  
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ideen-traditionen/taufschale.txt · Zuletzt geändert: 2019/10/28 16:22 von armchairtimetraveller