Taufschale

Die Taufschale der Nikolaikirche ist eine kunstgeschichtliche Besonderheit und das einzig erhaltene Beispiel peruanischer Goldschmiedekunst der frühen Kolonialzeit. Es handelt sich um eine innen vergoldete Silberschale mit einem Durchmesser von 54 cm, die um 1586/1600 in einer Inka-Werkstatt in Peru hergestellt wurde. In der Kolonialzeit gelangt das ursprünglich als Handwaschbecken genutzte Werk als Zahlungsmittel in die Hände eines kongolesischen Sklavenhändlers. Dieser wiederum schenkt die Schale dem Gouverneur von Niederländisch-Brasilien, Johann Moritz von Nassau-Siegen, zusammen mit 200 Sklaven für seine Verdienste im transatlantischen Sklavenhandel.

Sie zeigt stilistisch indianische Motive, lässt aber auch europäische Einflüsse der spanischen Herrschaft in Peru erkennen. Während seiner Zeit als Landesherr von Siegen schenkt Johann Moritz 1658 die Schale schließlich der reformierten Nikolai-Kirchengemeinde und bestimmt ihre Verwendung als Taufbecken. Deshalb fügt ein Frankfurter Goldschmied auf Bestellung des Fürsten den Fuß aus getriebenem Silber und die in der Mitte des Beckens gelegene Mulde mit dem Wappen des Stifters ein. Unter dem Fuß sind in lateinischer Sprache außerdem der Widmungszweck und ein historischer Abriss nachzulesen. Wie vor über 350 Jahren dient die Schale bis heute unverändert der Taufe.

Meinungen der Nutzerinnen und Nutzer

ideen-traditionen/taufschale.txt · Zuletzt geändert: 2017/10/19 16:18 (Externe Bearbeitung)